Humax PDR-9700C bei Amazon
Frustriert von den Erfahrungen mit der PC-Technik im Wohnzimmer habe ich mir mal so ein Humax-Kästchen ins Haus geholt. Eigentlich auch schon ein kleiner PC, mit richtiger Festplatte, und in der Software spielt die Musik!
Zunächst mal: das Angebot ist absolut dünn gesäht. Alle Hersteller scheinen sich auf die Geräte für Satellitenempfang zu konzentrieren, also DVB-S. Es gibt ein Gerät von Topfield, im Preis sogar etwas höher, mit mehr Möglichkeiten – für Bastler, so mein Eindruck. Es ist nicht zertifiziert für Premiere, also hab’ ich die Finger davon gelassen und den Humax ausgesucht, der diese Premiere (vermutlich eingetragenes Markenzeichen) – Zertifizierung mitbringt.
Basisfunktion
Ganz einfach, für jede Art des Fernsehempfangs benötigt man den entsprechenden Receiver incl. Tuner.
Normale Fernseher haben praktisch immer den Tuner für analoges Kabel- und Antennenfernsehen eingebaut. Modernere vielleicht auch für digitales Antennenfernsehen (DVB-T) oder gar digitales Satellitenfernsehen (DVB-S).
DVB-C steht also für digitales Kabelfernsehen, was in der Regel bessere Qualität als analoges Kabelfernsehen ermöglicht (in meinem Fall liegen Welten zwischen der Qualität – seit einer Umstellung z.B. des Senders SWR3 im hessischen Kabelnetz konnten wir diesen nur noch mit viel Schnee empfangen, die Hausanlage kam wohl nicht damit zurecht. Mit digitalem Fernsehen kein Thema. Alle Sender kommen gestochen scharf auf unseren Plasma-Fernseher).
Das hier vorgestellte Humax-Gerät ist also in erster Linie mal ein solcher Empfänger, der überhaupt erst ermöglicht, digitales Kabelfernsehen zu empfangen. Er ist sogar ein Twin- oder Doppeltuner-Empfänger. Damit kann man dann wie eigentlich gewohnt einen Sender anschauen und ein anderes Programm anschauen. Selbstverständlich ist das in der digitalen Welt leider nicht. Man benötigt also den Doppeltuner.
Leider sind ja heutzutage Programme teilweise verschlüsselt. Nicht nur Premiere, sondern auch Kabelbetreiber verlangen Geld für manche Angebote und schalten die mit der Benutzung einer Smartcard (Scheckkartenformat) frei.
Smartcards
Der Humax PDR 9700C hat zwei Aufnahmeschächte für solche Smartcards. In einen kann man eine Premiere-Karte oder eine Karte eines Kabelfernseh-Anbieters (getestet: iesy in Hessen) direkt einschieben. In den anderen kann man ein sogenannten CAM (conditional access module) einschieben, was wiederum dann einen Karteneinschub hat. Dies ist nötig für “Spezialkodierungen”, die das Gerät nicht im Werkszustand beherrscht. Eigentlich praktisch – negativ nur, daß das überhaupt alles so kompliziert sein muß. Die Verschlüsseling gängelt den Kunden hier genauso wie im Musikbereich das DRM (Digitales Rights-Management).
Ich bezahle für Fernsehen, Film, Musik und Kino und will weder andauernd im Vorprogramm sehen, daß Raubkopierer in den Knast kommen, noch mich mit CAM-Modulen herumschlagen. Aber das ist ein anderes Thema.
Timeshift und Co.
Jetzt die Sonderfunktionen des PDR-9700. Die Killerfunktion schlechthin in solchen Geräten: Timeshift. So einfach und logisch, daß man es nie missen möchte, wenn man es einmal hatte.
Es funktioniert ganz einfach und völlig ohne Einstellungen (zumindest bei diesem Gerät). Ganz gleich, welches Programm man gerade schaut, wenn man mal anhalten möchte, drückt man einfach die Pause-Taste. Ja, richtig gehört. Einfach das laufende Programm stoppen. Oder man hat gerade den wichtigsten Dialog verpaßt, weil es an der Tür geklingelt hat, der Hund laut bellt, und man zu nervös und langsam ist, schnell den Pause-Knopf zu drücken, dann drückt man eben auf zurückspulen und schaut die Stelle nochmals an.
Und was “zurück” geht, geht auch “vor”. An der Stelle sollte mal darauf hingewiesen werden, daß das Gerät nicht zaubern kann, sondern nur das gerade aktuell laufende Programm puffern kann, um beliebiges Navigieren darin zu erlauben, als handelte es sich um eine DVD.
Bei Werbung kann man somit auch vorspulen, aber nur, wenn die Werbung im laufenden Programm schon vorbei ist. Der Apparat kann nicht hellsehen!
Was tut man also? Man gewöhnt sich also daran, Sendungen, sagen wir mal Spielfilme, rechtzeitig vor Beginn auf Pause zu stellen und erst etwa 15 Minuten nach Beginn entsprechend zeitversetzt anzuschauen. Dann kann man in den Werbepausen wunderbar vorspulen.
Es ist also so, als hätte man die ganze Sendung auf Video aufgenommen. Nur ist es viel komfortabler und man muß nicht warten, bis die Sendung vorbei ist, bevor man anfangen kann, die Sendung zu schauen.
Das normale Aufnehmen von Sendungen geht natürlich auch. Auf Wunsch parallel zum normalen Live- bzw. Timeshift-Modus, wie oben schon gesagt.
Programmierung
Die Programmierung erfolgt dabei komfortabel über das sogenannte EPG (electronic programming guide). Er listet einfach alle Programme und Programminhalte, also Sendungen, in einer Matrix auf, in der man sich mit den Pfeilen bewegen kann. Man sieht Kurzinfos zu den Sendungen. Möchte man eine Aufnehmen, drückt man auf ok, und das war’s. Die Sendung steht dann nachher unter “Aufnahmen” zur Verfügung und kann beliebig oft angeschaut werden, natürlich wiederum incl. schneller vor-/zurück-Navigation, Standbild usw. Die Aufnahme erfolgt per Festplatte, also kein Jonglieren mit Bändern etc. nötig. Es gibt auch die Annehmlichkeiten wie direktes Aufnehmen der laufenden Sendung mit einem Tastendruck. Aufnahmen von regelmäßigen Sendungen usw.
Die eingebaute Festplatte reicht für viele Stunden. Einzig derjenige, der sich durch Aufnahmen ein Archiv heranzüchten will, also alle Filme behalten will, stößt mit solcher Technik an seine Grenzen. Für denjenigen sind ist die Kategorie der “Rekorder” sinnvoller, also früher der einfache Videorekorder, heutzutage das Pendant mit eingebautem DVD-Brenner. Ein Gerät mit Festplatte und Brenner gibt es meines Wissens nicht. Ebenso gibt es auch kein entsprechendes Gerät mit HDTV-Unterstützung. Wenn man also die als Topmodelle bezeichneten Receiver für hochauflösendes Fernsehen anschaut, dann stellt man leider fest, daß es kein Modell mit Festplatte gibt, das für Kabelfernsehen geeignet wäre.
Es gäbe noch viele Features des Humax aufzulisten, wie Bild-in-Bild-Anzeige, optischer Dolby-Digital-Ausgang, Videotext usw. Der Humax hat alles, was ich mir wünsche – das ist aber nicht so entscheidend in einer Situation, in der es tatsächlich noch kein Gerät gibt, daß alle Basisfunktionen beherrscht, die die Technik möglich macht. Wie gesagt, ein Receiver-Rekorder mit Festplatte, DVD-Brenner und HDTV-Fähigkeit sollte heutzutage kein Problem sein, gibt es aber leider nicht.
Das ist so, als gäbe es gerade Farbfernsehen und Videorekorder, aber noch keinen Rekorder, der in Farbe aufnimmt.
Preis
Die Preisvergleichdienste wie Idealo und Preisvergleich lassen den Preis bei etwa 240 EUR losgehen. Anbieter, die ich für seriös halte, kommen dann etwa 10-20 EUR teurer ins Spiel (z.B. T-Online, Misco, Amazon).
Interessant übrigens: der Humax PR-HD1000C ist etwa zum gleichen Preis zu haben. Dabei handelt es sich um einen HDTV-fähigen Kabelreceiver. Also, entweder komfortable Timeshift- und Rekorderfunktion (Festplatte) oder hochauflösendes Fernsehen. Wegen des doch sehr geringen Angebots für entsprechenden hohen Preis entscheide ich mich momentan gegen HDTV. Timeshift, wie gesagt, möchte ich dagegen nie mehr missen.
Wer jetzt glaubt, man könne ja den HDTV Receiver nehmen und einen schnuckeligen Rekorder dazu kaufen, der sei noch vor dem Kopierschutz HDCP gewarnt. Der ist Bestandteil des HDMI-Standards, d.h. über die HDMI-Kabelverbindung merkt der Receiver, ob ein Rekorder oder nur ein Abspieler (Plasmapanel, LCD-Fernseher) daran hängt. Der Sender, also z.B. Premiere, hat es in der Hand, eine Aufnahme zuzulassen oder zu sperren.
Kaufen
Hier kann man das Gerät denn nun auch käuflich erwerben.
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