Das HTC HD2 Business Smartphone
Dienstag, 2. März 2010 | Autor: admin
Der Kauf
Schon über ein Jahr ist es her, daß ich in diesem Weblog das HTC HD und andere Business Smartphones beschrieben habe. Und schon lange vorher hatte ich immer wiede mal eines gekauft – und nach einer Weile wieder verkauft, weil der Produktivitätsgewinn durch den Administrationsaufwand aufgefressen wurde. Tatsächlich war das von mir am längsten genutzte Gerät dieser Art ein Pocket Loox von Fujistu-Siemens. Es war allerdings kein Smartphone, sondern ein normaler PDA, also ein Gerät dieser praktisch ausgestorbenen Gattung.
Jetzt war es an der Zeit, nochmals mein Glück mit einem Smartphone zu versuchen. Das HTC HD2 hat ein riesiges 11cm-Display, so daß man Internet-Seiten betrachten kann, die nicht unbedingt für mobile Geräte
ausgelegt sind. Nun ja, gerade so…
Weiterhin sind alle wichtigen Funk-Schnittstellen und Anschlüsse an Bord (WLAN, Bluetooth, UMTS, WLAN-Router, 3,5" Headset-Anschluß usw.). Schließlich gibt es einen flotten Prozessor, so daß die Bedienung flüssig abläuft, und das Gerät paßt größen- und gewichtsmäßig gerade so in die Hemdtasche.
Die Zeit der subventionierten Handys ist plötzlich wieder da! Ein Smartphone wie das HTC HD2 ist bei T-Mobile je nach Tarif für deutlich unter 200 EUR zu haben. Natürlich muß man die 200 – 240 EUR dazurechnen, die man während der 24-monatigen Vertragslaufzeit noch zahlt. Dennoch, für ein fast-600-EUR-Kaliber ist das ein guter Deal.
Über Branding, Oberflächen-Versteckspiel und Firmware
Ein T-Mobile-Gerät weist ein sogenanntes Branding auf. D.h. die Betriebssoftware, genannt Firmware, ist von T-Mobile modifiziert. T-Mobile würde vermutlich sagen, daß es darum geht, dem Nutzer den Zugang zu den T-Mobile-Netzen und -Diensten so einfach wie möglich zu gestalten. Eigentlich geht es aber eher darum, ein Stück T-Mobile-Identität in Form von Logos, Farben, Klingeltönen usw. auf dem Handy zu hinterlassen.
Tatsächlich muß man keine Einstellungen vornehmen, um mit dem HD2 ins Internet zu gelangen. Das ist aber schon der einzige Vorteil, der mir aufgefallen ist.
Die Nachteile sind durchaus gewichtig. Angefangen bei der Tatsache, daß man sich nicht auf die HTC-Original-Bedienungsanleitung verlassen kann. Kleinigkeiten sind anders, Verknüpfungen, die T-Mobile in das Startmenü eingebracht hat, fehlen z.B. in der Dokumentation, da sie im Original-Handy natürlich nicht existieren.
Umgekehrt sucht man vergeblich die Youtube-Anwendung, die T-Mobile als überflüssig erachtet und daher weggelassen hat. Lästigerweise gibt es aber unter Einstellungen / Datendienste / Soziale Netzwerke neben Facebook- und Twitter- auch Youtube-Einstellungen, so daß man nicht auf die Idee kommt, daß die eigentliche Anwendung nicht existieren könnte. Ist aber so.
Immerhin kann man sich diese ganz einfach unter m.youtube.com/app besorgen.
Der gewichtigste Nachteil ist, daß man bzgl. Firmware-Updates auf den Provider, also T-Mobile, angewiesen ist. HTC bietet auf seiner Website bereits zwei Updates für das HTC HD2: Version 1.48.407.1 vom 9.12.2009 und Version
1.66.407.1 vom 2.2.2010. Der Download wird Benutzern einer T-Mobile-Variante nach Eingabe der Seriennummer verweigert.
Und bei T-Mobile ist kein Update verfügbar, obwohl die Version 1.43.111.2, die als Ursprungsversion auf dem Handy aufgespielt ist, wirklich so einige Probleme hat.
Zu der Modifikation des HTC-Originalzustands kommt dann noch, daß schon HTC das Windows-Betriebssystem modifiziert hat. Daß die Windows Mobile Benutzerschnittstelle nicht State-of-the-Art ist, vor allem im Vergleich zum
iphone, bestreitet nicht einmal Microsoft's Chef Steve Ballmer.
So hat also HTC mit Sense, dem Nachfolger von TouchFlo,
dem Smartphone eine alternative Benutzerschnittstelle spendiert. Insbesondere der Typ des Displays, nämlich der kapazitive Touchscreen, wird von Windows erst gar nicht unterstützt, so daß hier Sense als Oberfläche essentiell ist.
Diese ist durchaus gelungen, macht jedoch die intensive Nutzung nicht weniger komplex. Ein Beispiel sind die E-Mail-Einstellungen. Es gibt einen Einstellungsdialog in der Sense-Oberfläche, die jedoch nicht alle nötigen
Optionen bereithält. Der entsprechende Windows-Dialog ist auch verfügbar. Dieser bietet dann sämtliche Optionen, ist aber in der Bedienung wiederum sehr hakelig.
Für manche Konfiguration ist es wichtig zu wissen, welche Sense-Elemente die korrespondierenden Windows-Elemente nur erweitern, und welche sie vielleicht ganz ersetzen. Und in letzterem Fall sind die Windows-Elemente aber auch noch im System, so daß Verwechslungsgefahr besteht.
Beispiel E-Mail und Kalender: die Sense-Varianten sind tatsächlich nur Oberflächen für den integrierten Windows E-Mail-Client und den Kalender. Dies ist wichtig; es bedeutet nämlich, daß die Synchronisation mit strong>Exchange oder Outlook (mehr dazu siehe unten) bestens funktioniert.
Beispiel Media Player: ein sehr gelungener Musik-Player ist in Sense enthalten. Dieser hat im Gegensatz zum E-Mail Beispiel nichts mit dem Windows Media Player zu tun (der dann auch noch im Startmenü schlummert). Dies ist z.B. relevant, wenn man einen Musik-Client wie den last.fm Scrobbler benutzen möchte, der mit dem Media Player zusammenarbeitet, diesen aber logischerweise und zurecht nicht als im Betrieb befindlich erkennt, wenn der Sense-Player läuft (auch dies kann man beheben, wenn man in den Scrobbler-Einstellungen den HTC-Audio-Manager wählt).
Beispiel Web-Browser: Windows-Mobile bringt den Internet-Explorer mit. HTC fügt dann den Opera-Browser hinzu (der im Gegensatz zum Internet-Explorer kein Flash beherrscht), und T-Mobile macht alles wieder komplizierter, da unbedingt der Begriff Web and Walk untergebracht werden mußte.
Der Tarif
Die Telekom bzw. T-Mobile hat ihre Tarifstruktur durchaus aufgeräumt und vereinfacht, auch wenn das Angebot immer noch unübersichtlich scheint. Die herkömmlichen Tarife mit Grundgebühr und simpler Abrechnung nach Telefonminuten
sind fast ausgestorben, da Flatrates preislich immer attraktiver werden.
Relevant sind noch die Tarife mit bestimmer Anzahl von Freiminuten (genannt Relax). Hier ist der folgende Unterschied relevant: Flatrates sind danach abgestuft, ob sie für das T-Mobile- das Festnetz, oder gar auch für andere
Mobil-Netze gelten. Bei den Freiminuten spielt es keine Rolle, um welche Netze es geht. Wird viel in fremde Mobilnetze telefoniert, ist ein Relax-Tarif evtl. günstiger, ansonsten praktisch immer die Flatrate, im Geschäftskundenbereich "Max flat Business" genannt..
So richtig Spaß macht ein solches Handy nur mit einer zusätzlichen Daten-Flatrate. Nicht nur das eigentliche Surfen, sondern auch die schnuckelige Wetter-Anzeige, das Aktien-Board, die GPS-"Beschleunigung" (Quick-GPS), das
CD-Cover-Herunterladen im Musikspieler – all das benötigt einen Internet-Zugriff. Und schließlich die E-Mail, Killerapplikation eines solchen Handys schlechthin.
Nun gibt es wiederum verschiedene Datenoptionen: Volumen- oder zeitbegrenzte Tarife, von denen man nicht weiß, ob die Freimenge/Freizeit ausreicht. Oder für unter 10 EUR eine sehr attraktiv erscheinende web-and-walk-Handy-Flat zum
"unbegrenzten Surfen". Surfen ist aber nur ein Teil des Internets. Insbesondere die für E-Mail genutzten Zugänge (Ports für IMAP und POP3) sind dabei gesperrt!
Und die E-Mail-Option für etwas über 3 EUR, die verpricht, man könne seine E-Mail von allen möglichen providern abholen, ist in Wahrheit nur ein Sammeldienst. Man bekommt einen T-Mobile Account und muß seine eigentlichen
Accounts auf einer Webseite eintragen.Die Mails gelangen dann gesammelt über den T-Mobile Account zum Handy. Der allgemeine IMAP und POP3-Zugang bleibt gesperrt.
Die Sorglos-Lösung ist dann die kombinierte Gesprächs- und Datenflat, namens Combi-Flat Business, z.B. in der L-Variante mit Gesprächsflatrate ins Festnetz und innerhalb des T-Mobile-Netzes. Sie ist ca. 17 EUR teurer als die
vergleichbare nur-Gesprächs-Flatrate. Dafür bekommt man wirklich freie und schnelle Internetverbindung mit freien POP3 und IMAP-Ports (oben genannte Handy-Flat ist gedrosselt, die Combi-Flat funktioniert mit vollem UMTS/HSDPA
Speed), obendrein noch eine Flatrate für T-Mobile-Hotspots (die immerhin sehr weit verbreitet in Deutschland sind) und eine SMS/MMS Flatrate ins T-Mobile-Netz.

